Bayern baut Hanf an – immer mehr. Über 500 Hektar Nutzhanf wachsen mittlerweile auf bayerischen Äckern. Die Körner lassen sich gut verkaufen, CBD aus den Blüten ist begehrt. Aber was passiert mit dem Hanfstroh, dem Hauptprodukt der Pflanze? Die ernüchternde Antwort: Es bleibt liegen. Denn in ganz Bayern gibt es keine einzige Anlage, die Hanffasern professionell aufschließen und verarbeiten kann.
Das Technologie- und Förderzentrum Bayern (TFZ) bringt es in seinen Studien auf den Punkt: "Da die für die Strohverarbeitung benötigten Anlagen und Verarbeiter zum jetzigen Zeitpunkt in Bayern nicht existieren, ist eine regionale Verarbeitung von Faserstroh aktuell ausgeschlossen."
In ganz Deutschland gibt es gerade mal zwei Hanffaser-Aufschlussanlagen:
Beide liegen hunderte Kilometer von Bayern entfernt. Für bayerische Landwirte bedeutet das: Transport ist unwirtschaftlich, die Faserqualität leidet unter langen Wegen, und oft bleibt das Stroh einfach auf dem Acker liegen.
Hanfstroh ist nicht einfach Abfall. Es enthält:
Die Hanfpflanze erreicht nach 4 Monaten bis zu 4 Meter Höhe und produziert enorme Biomasse. Nur die Körner zu ernten und den Rest liegen zu lassen, ist so, als würde man bei einem Schwein nur das Schnitzel verwerten und alles andere wegwerfen.
2025 wurden in Deutschland auf 5.274 Hektar Nutzhanf angebaut (Quelle: BLE). Das Hauptanbaugebiet liegt in Brandenburg (Prignitz) mit 1.300 Hektar – direkt um die Hanffaser Uckermark herum. Warum? Weil die Verarbeitung vor Ort ist.
In Bayern: Über 500 Hektar Anbau, aber keine regionale Wertschöpfung durch Faserverarbeitung. Landwirte können nur hoffen, dass jemand das Stroh abnimmt – oft für Tiereinstreu oder als minderwertiges Produkt.
Vier Szenarien:
Alles keine Lösungen, die dem Potenzial der Pflanze gerecht werden.
Eine Hanffaser-Aufschlussanlage kostet mehrere Millionen Euro. Die Investition rechnet sich nur bei:
Das klassische Henne-Ei-Problem:
Wenn Bayern eine Hanffaser-Verarbeitungsanlage hätte, würde das bedeuten:
Stattdessen: Hanfkörner werden verkauft, CBD wird extrahiert – aber 80% der Pflanze bleiben ungenutzt.
Wir von Frankenwaldhanf kennen das Problem aus erster Hand. Der Frankenwald wäre ideal für Hanfanbau: Traditionelle Hanfregion, gutes Klima, engagierte Landwirte – wie unser Drohnenflug über das Hanffeld eindrucksvoll zeigt. Aber ohne Verarbeitungsinfrastruktur bleibt das Potenzial ungenutzt.
Ob Landwirte aus Nutzhanf CBD-Öl gewinnen duerfen, war auch Thema, als „Unser Land" Uwe auf dem Hanffeld besuchte. Unsere CBD-Blüten können wir verarbeiten und verkaufen. Aber eine Faser-Wertschöpfungskette? Fehlanzeige. Das nächste Werk ist 300 km entfernt – wirtschaftlicher Unsinn.
Um das Hanfstroh-Problem zu lösen, bräuchte es:
In Frankreich werden jährlich über 8.000 Hektar Hanf angebaut – mit funktionierenden Verarbeitungsstrukturen. Dort gibt es:
Bayern hätte dieselben Voraussetzungen – aber keine Strukturen.
Hanf ist keine Nischenpflanze mehr. Die Nachfrage nach nachhaltigen Rohstoffen steigt, Dämmstoffe aus Hanf sind gefragt, die Textilindustrie sucht Alternativen zu Baumwolle. Aber solange Bayern keinen einzigen Betrieb hat, der Hanfstroh professionell verarbeiten kann, bleibt das Potenzial ungenutzt.
500 Hektar Anbau ohne Verarbeitung sind verlorene Wertschöpfung, verlorene Arbeitsplätze, verlorene Chancen.
Es wäre Zeit, dass Politik, Landwirtschaft und Industrie das Problem ernst nehmen – bevor Bayern dauerhaft zum Rohstofflieferanten für andere Regionen wird.
Wenn du Landwirt bist und Hanf anbaust: Wo landet dein Stroh? Schreib uns.
Wenn du in der Baubranche arbeitest: Würdest du regionale Hanf-Dämmstoffe kaufen? Sag Bescheid.
Wenn du Investor bist und an regionaler Wertschöpfung interessiert: Lass uns reden.
Das Problem ist bekannt. Die Lösungen auch. Es fehlt nur jemand, der den ersten Schritt macht.