Uwe war zu Gast beim Extra-Radio. Er sprach über Hanf und was man mit dieser tollen Pflanze alles machen kann. Dabei ging es auch um rechtliche Fragen und warum Hanf so lange geächtet wurde und warum Hanf fast 100 Jahre auf der schwarzen Liste stand. Auch „Unser Land" (Bayerischer Rundfunk) war bei Uwe auf dem Hanffeld zu Besuch. Schaut mal rein! Mehr über Uwe und seinen Betrieb erfährst du in unserem Interview mit Hanfbauer Uwe. Die rechtlichen Hintergründe rund um Hanf beleuchten unsere Beiträge zur Cannabis-Teillegalisierung und zur Nutzhanf-Liberalisierung. Was CBD ist und warum es so besonders ist, erklären wir dir ebenfalls.
Wer lieber liest als hört: Hier das Gespräch aus der Sendung „Feierabend" bei Extra-Radio in einer leicht geglätteten Lesefassung.
Extra-Radio: Gut gelaunte Gäste im „Feierabend", montags um fünf – mein Gast hat Platz genommen: Uwe Gremer. Schön, dass du da bist. Stell dich unseren Hörern gerne selbst vor.
Uwe Gremer: Hallo, vielen Dank für die Einladung. Ich bin Uwe Gremer, wohnhaft im Nachbarlandkreis Kronach, direkt an der Grenze – ich fühle mich als Hofer. Und ich bin Inhaber der Firma Frankenwaldhanf.
Extra-Radio: Frankenwaldhanf – ihr baut also eine ganz besondere Pflanze an.
Uwe Gremer: Ich bin auf dem Bauernhof groß geworden – meine Eltern hatten Kühe, Schafe, Schweine, wir bauten Getreide an und haben ein paar Hektar Wald. Das war die richtige Basis, um mit einer anderen Pflanze zu starten. Der Hanf wächst bei uns seit 2015 auf biologischen Flächen.
Extra-Radio: Wie ist die Idee entstanden, ein Hanffeld anzubauen?
Uwe Gremer: Eine lange Geschichte. Hanf ist die sanfte Variante der Gattung Cannabis sativa – eine Pflanze, die weltweit genutzt wird: die einen wegen der Samen, die anderen wegen der Fasern. Ich habe lange in Berlin studiert. Eines Abends sah ich eine Dokumentation über CBD, einen nicht berauschenden Bestandteil der Hanfpflanze, der von jedem Landwirt angebaut werden darf. Das Thema ließ mich nicht mehr los; ich begann zu recherchieren – und so entstand der Entschluss, selbst Hanf anzubauen. Meine Eltern waren anfangs skeptisch, aber ab 2015 hatte ich ihre Erlaubnis, im Frankenwald zum ersten Mal Hanf anzubauen.
Extra-Radio: Wenn man „Hanf" hört, denkt man sofort: Ist das erlaubt? Die Frage kommt sicher oft.
Uwe Gremer: Das ist unsere meistgestellte Frage. Der Faserhanf, den wir anbauen, hat eines nicht: den berauschenden Stoff THC. Der darf bei uns maximal 0,2 % betragen – um überhaupt eine Rauschwirkung zu erzielen, bräuchte man ein Vielfaches davon. Der Hanf wirkt also nicht berauschend.
Extra-Radio: Das heißt, nach der Sendung sitzen wir noch genauso hier und schweben nicht an der Decke.
Uwe Gremer: Davon ist auszugehen.
Extra-Radio: Du hast eine Kiste mitgebracht – was ist da alles drin?
Uwe Gremer: Die Hanfpflanze ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt. Schon die Ägypter machten daraus Papyrus – Papier aus Hanffasern braucht weniger Chemie und ist robust. Seile werden aus Hanf gemacht, ebenso Dämmstoffe, früher sogar Treibstoff und Kunststoffe. Auch Textilien: Im Vergleich zur Baumwolle braucht Hanf kaum Dünger und keine Pestizide, und die Faser ist atmungsaktiv – sie nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. In Deutschland fehlt allerdings noch die Verarbeitung, das meiste wird importiert.
Extra-Radio: Dann lerne ich: „Hanf" ist nicht automatisch ein Rauschmittel, sondern ein gewerblicher Rohstoff.
Uwe Gremer: Definitiv.
Extra-Radio: Dürfte ich einfach im Gewächshaus Hanf anbauen? Welche Genehmigungen braucht man?
Uwe Gremer: So einfach ist es nicht. Der Hanfanbau ist in Deutschland seit 1996 wieder zugelassen, vorher war er rund 50 Jahre verboten. Man braucht einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Betriebsnummer, EU-zertifiziertes Saatgut mit maximal 0,2 % THC, und meldet dem Landwirtschaftsamt jährlich, was wächst. Wenn die Pflanze blüht, werden die Blüten auf THC analysiert – ernten dürfen wir erst nach behördlicher Freigabe. Klingt komplizierter, als es ist. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Rechtslage.
Extra-Radio: Hanf war lange verboten – warum eigentlich?
Uwe Gremer: Ab den 1930er-Jahren, ausgehend von den USA. Treibende Figur war Harry Anslinger, der Verflechtungen mit der Industrie hatte – ein Schwager war bei DuPont in der Nylonindustrie. Die stabile Hanffaser stand der neuen Kunstfaser im Weg, das war ein Grund für das Verbot. Hanf wurde mit Propagandafilmen verunglimpft und negativ ins Gedächtnis der Leute gebracht. Diese Bilder aus dem letzten Jahrhundert werden erst langsam wieder zurückgedrängt.
Extra-Radio: In deiner Kiste sehe ich auch Lebensmittel – Brot, Pralinen. Wofür wird Hanf alles genutzt?
Uwe Gremer: Das Hanfbrot bäckt ein befreundeter Bäcker aus Kronach, der eine reine Hanf-Bäckerei führt – mit Hanfmehl und Hanfsamen. Aus den Samen pressen wir Hanfsamenöl: ein kaltgepresstes Speiseöl mit Omega-3-, -6- und -9-Fettsäuren, das man nicht erhitzen sollte – es passt auf Salate, in Smoothies oder als Dressing. Dazu machen wir aus Kuvertüre mit gerösteten Hanfsamen Pralinen, zum Beispiel Apfel-Zimt oder mit Chili.
Extra-Radio: Was ist dein Hauptgeschäft – das Brotbacken eher nicht, oder?
Uwe Gremer: Das Brot ist ein Zubrot. Mein Schwerpunkt ist CBD (Cannabidiol); damit beschäftigen wir uns seit 2015. Ich bin allerdings weder Arzt noch Apotheker – viele Fragen, die mir gestellt werden, darf ich deshalb gar nicht beantworten. Ich habe mir über Fortbildungen und Kurse viel Wissen angeeignet und zu Hause ein eigenes, behördlich abgesegnetes Labor aufgebaut, in dem ich mit Lebensmitteln und Kosmetik arbeiten darf.
Extra-Radio: Gibt es einen Hofladen?
Uwe Gremer: Wir haben einen kleinen Hofverkauf – jeden Nachmittag von 16 bis 18 Uhr, betreut von meiner Mutter – und einen kleinen Online-Shop, mit dem wir deutschlandweit auf die Menschen zugehen. Außerdem machen wir Hanfwanderungen: Die Leute kommen aufs Feld und können die Pflanzen anfassen.
Extra-Radio: Zum Schluss: Wie sieht der private Uwe aus – gibt es den überhaupt?
Uwe Gremer: Selbstständig heißt „selbst und ständig". Am Bauernhof gibt es viele Baustellen, dazu zehn Hektar Wald mit Borkenkäferplage. Zum Abschalten gehe ich am liebsten in die Sauna. Und im Urlaub mag ich Ägypten – schön warm, zum Schnorcheln und Tauchen.
Extra-Radio: Es war eine gut gelaunte und interessante Stunde mit Uwe Gremer, Hanfbauer aus dem Frankenwald.
Leicht geglättete Lesefassung des Radio-Gesprächs. Den vollständigen Mitschnitt gibt es oben zum Anhören.