„Hanfhonig" klingt nach einem naheliegenden Naturprodukt – ähnlich wie Lavendelhonig oder Akazienhonig. Tatsächlich ist die Sache komplizierter, und wer Hanfhonig im Laden findet, sollte verstehen, was er vor sich hat. Denn anders als bei anderen Sortenhonigen sammeln Bienen aus Hanfblüten keinen Nektar.
Dieser Artikel erklärt, was Hanfhonig tatsächlich ist, welche Varianten am Markt existieren und worauf bei Etikett und Rechtslage zu achten ist. Er vertieft Abschnitt 7 des Überblicksartikels Hanf als Lebensmittel.
Hanf (Cannabis sativa L.) ist windbestäubt. Die Blüten produzieren keinen Nektar – Pollen schon, Nektar nicht. Bienen haben also keinen Grund, Hanfblüten anzufliegen, und wenn sie es gelegentlich tun, dann für den Pollen, nicht für den Nektar.
Pollen ist für Bienen Eiweißnahrung, die sie für die Brut benötigen. Er wird nicht zu Honig verarbeitet. Daraus folgt eine einfache Erkenntnis: Ein „Honig aus Hanfblüten" im eigentlichen Sinn kann es nicht geben. Was im Handel als Hanfhonig verkauft wird, ist etwas anderes.
Hanfhonig am Markt ist in der Regel eine von drei Varianten:
Honig mit Hanfblütenextrakt: Regulärer Blütenhonig (oft Blütenhonig, Akazien- oder Lindenhonig), dem Hanfblüten-Extrakt zugesetzt wurde. Der Extrakt ist meist CBD-haltig oder enthält andere Cannabinoide in geringen Mengen.
Honig mit Hanfsamen oder Hanföl: Regulärer Honig, in den Hanfsamen eingerührt wurden oder dem Hanföl beigemischt wurde. Geschmacklich nussig-kräftig, rechtlich eine Zubereitung.
Honig aus Regionen mit Hanfanbau: Honig, der in der Nähe von Nutzhanf-Feldern gesammelt wurde. Der Hanfbezug besteht hier nur darin, dass die Bienen Hanfpollen eingetragen haben könnten – nicht, dass der Honig aus Hanfblütennektar stammt. Diese Variante kann sich rechtlich nicht als „Hanfhonig" nennen, sondern höchstens als Blütenhonig aus entsprechender Region.
In allen Fällen gilt: „Hanfhonig" ist ein Marketingbegriff, kein botanisch geschützter Sortenhonig wie Akazien- oder Rapshonig.
Die deutsche Honigverordnung und die EU-Honigrichtlinie regeln streng, was sich „Honig" nennen darf. Zusätze jeder Art (außer weiterem Honig) sind bei echtem Honig nicht erlaubt. Sobald einem Honig etwas zugesetzt wird, darf das Endprodukt nicht mehr einfach „Honig" heißen.
Das hat konkrete Folgen für Hanfhonig:
Honig mit Hanfextrakt: muss als „Brotaufstrich auf Honigbasis", „Honigzubereitung mit Hanfextrakt" oder ähnlich deklariert werden. Die Bezeichnung „Hanfhonig" allein ist rechtlich nicht zulässig.
Honig mit Hanfsamen: ebenfalls Zubereitung, nicht Honig im Sinn der Verordnung.
Zusätzlich: Wenn der zugesetzte Hanfextrakt CBD enthält, greifen zusätzlich die Regeln der Novel-Food-Verordnung. Das macht die Vermarktung in Deutschland derzeit kompliziert. Mehr zur rechtlichen Lage im Artikel CBD Rechtslage 2026.
Seriöse Anbieter deklarieren korrekt. Produkte, die einfach „Hanfhonig" auf dem Etikett tragen und Hanfextrakt enthalten, arbeiten in einer Grauzone.
Der Geschmack hängt stark von der Variante ab:
Honig mit Hanfextrakt: meist leicht krautig-grasig, mit einer klaren Honig-Basis. Der Hanfanteil gibt eine herb-grüne Note. Passt zu Tees, Joghurt oder Brot mit herzhaften Komponenten.
Honig mit Hanfsamen: knackig-nussig durch die Samen, honigsüß im Abgang. Funktioniert gut auf Brot, zu Käse oder als Topping für Porridge.
Honig aus Hanfanbauregion: geschmacklich wie ein klassischer Blütenhonig. Der „Hanf"-Bezug ist regional, nicht sortenspezifisch.
In der Küche kann Hanfhonig wie jeder andere Honig eingesetzt werden. Wegen der zugesetzten Hanfbestandteile nicht zu stark erhitzen – sonst leiden Aroma und Fettsäuren aus den Samen.
Wer Hanfhonig kauft, sollte sich mehr Zeit für das Etikett nehmen als bei klassischem Honig:
Deklaration: Steht da „Honig" oder „Honigzubereitung" / „Brotaufstrich auf Honigbasis"? Letzteres ist meist das rechtlich korrekte Produkt.
Zutatenliste: Welcher Honig wird als Basis verwendet? Welche Hanfbestandteile sind enthalten (Extrakt, Samen, Öl)? Bei CBD-Gehalt: ist der Gehalt angegeben?
Herkunft des Honigs: Blütenhonig aus Deutschland/EU? Oder Mischhonig ohne Herkunftsangabe?
Herkunft des Hanfanteils: Ist der Hanfbezug nachvollziehbar? Regional, europäisch, Import?
Laboranalysen: Bei Produkten mit CBD-Anteil sind Analysezertifikate Standard. Fehlen sie, ist Vorsicht angebracht – die Kriterien beschreibt der Artikel CBD Qualität erkennen.
Preisrahmen: Echter Blütenhonig guter Qualität liegt bei 8–15 Euro pro 500 g. Eine „Hanfhonig"-Zubereitung mit zugesetztem CBD-Extrakt ist deutlich teurer – Preise unter 10 Euro für 250 g sind ein Warnzeichen.
Trotz aller Erklärungsbedürftigkeit gibt es gute Gründe für Hanfhonig-Produkte – solange sie sauber deklariert sind:
Geschmackliche Kombination: Die herb-grüne Hanfnote und die Süße des Honigs ergänzen sich. Das ist kein Gesundheitsargument, sondern ein kulinarisches.
Regionale Kooperation: Wenn Imker und Hanfhof zusammenarbeiten, entsteht ein Produkt mit klarer regionaler Geschichte. Das macht den Weg vom Feld in den Honigtopf nachvollziehbar.
Verwendung der ganzen Pflanze: Hanfhonig-Zubereitungen fügen sich in das Bild einer landwirtschaftlichen Hanfverwertung ein, in der alle Teile der Pflanze genutzt werden – von Samen über Blüten bis zu Fasern. Mehr dazu im Artikel Hanf kann mehr als CBD.
Ist Hanfhonig echter Honig?
Nein, im lebensmittelrechtlichen Sinn nicht. Sobald einem Honig etwas zugesetzt wird, darf das Produkt laut Honigverordnung nicht mehr „Honig" heißen, sondern muss als Zubereitung deklariert werden. „Hanfhonig" als Bezeichnung ist in den meisten Fällen eine Vereinfachung.
Enthält Hanfhonig Cannabinoide?
Das hängt von der Variante ab. Zubereitungen mit Hanfblütenextrakt enthalten in der Regel CBD und Spuren anderer Cannabinoide, Variante mit Hanfsamen oder Hanföl praktisch nicht. Ein Blick auf das Etikett gibt Aufschluss.
Macht Hanfhonig high?
Nein. Auch Zubereitungen mit Hanfextrakt enthalten kein THC in wirksamen Mengen, weil das verwendete Hanfmaterial aus Nutzhanfsorten stammt.
Kann ich Hanfhonig in heißen Tee geben?
Kann man, sollte man aber nicht. Hitze verändert sowohl den Honig als auch die Hanfbestandteile. Besser: Tee auf Trinktemperatur abkühlen lassen, dann den Honig einrühren.
Gibt es bio-zertifizierten Hanfhonig?
Ja, wenn sowohl Honigbasis als auch Hanfanteil aus kontrolliertem Bio-Anbau stammen und der Hersteller entsprechend zertifiziert ist. Die Zertifizierung bezieht sich dann auf die Zubereitung als Ganzes.
Warum nennen viele Hersteller ihr Produkt trotzdem einfach „Hanfhonig"?
Aus Marketing-Gründen. Die korrekte Deklaration („Brotaufstrich auf Honigbasis mit Hanfextrakt") ist sperrig und weniger verkaufsfördernd. Lebensmittelüberwachungsbehörden werten diese Praxis in der Regel als Verstoß gegen die Honigverordnung – die Durchsetzung ist allerdings uneinheitlich.